1

Geschäftsführer: Sind attraktiver Arbeitgeber für junge Ärztinnen und Ärzte

Herr Dr. Gaß, medizinischer Nachwuchs für die Krankenhäuser ist immer schwerer zu finden. Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Ursachen?

Gaß: Ich sehe im wesentlichen zwei Punkte: Medizinerinnen und Mediziner beklagen sicher zu Recht ein ständig wachsendes Maß an nicht ärztlichen Aufgaben, die mit ihren ursprünglichen Vorstellungen vom Arztberuf nur noch wenig zu tun haben. Und zum zweiten legt die heutige Ärztegeneration auch größeren Wert auf einen vernünftigen Ausgleich von Beruf und Privatleben. Diesem aus meiner Sicht berechtigtem Anspruch werden die Arbeitgeber durch traditionelle Organisationen und Hierarchien vielfach nicht gerecht.

Welche Maßnahmen hat das Landeskrankenhaus ergriffen, um für seine Einrichtungen dem sich abzeichnenden Ärztemangel entgegen zu wirken?

Gaß: Wir sind seit einiger Zeit auf mehreren Ebenen aktiv, dazu zählt zum Beispiel die Bezahlung nach dem Tarifvertrag des Marburger Bundes für Universitätskliniken, aber auch umfassende Weiterbildungsmöglichkeiten als akademische Lehrkrankenhäuser. Wir sorgen aber auch für attraktive Arbeitsbedingungen durch eine vertrauensvolle Führungskultur. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein großes Thema, dem wir uns durch flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuungsangebote stellen.

Ärztinnen und Ärzte fühlen sich in ihrem Arbeitsalltag häufig durch bürokratische Aufgaben überlastet anstatt sich um die Patientinnen und Patienten so kümmern zu können, wie sie es sich wünschen würden. Wie lässt sich diesem Problem begegnen?

Gaß: Wir in unseren Einrichtungen entlasten die Ärztinnen und Ärzte ganz konkret durch den Einsatz von sogenannten Stationsassistentinnen, die mit der Qualifikation einer medizinischen Fachangestellten die Mediziner insbesondere bei Dokumentationsaufgaben, aber auch in der Organisation insgesamt entlasten. Unser Krankenhausinformationssystem und die elektronische Patientenakte sorgen ebenfalls für Entlastung. Der flächendeckende Einsatz mobiler Dokumentation am Krankenbett ist angelaufen und in einigen Stationen bereits realisiert. Unser Medizincontrolling unterstützt in allen Fragen rund um das Thema Codierung und DRGs.

Familiengerechte Arbeitszeiten, der Umgang mit Bereitschaftsdiensten und Überstundenabbau spielen für viele Ärztinnen und Ärzte eine entscheidende Rolle bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes. Welche Regelungen kann das Landeskrankenhaus in diesem Bereich anbieten?

Gaß: Bei uns existieren alle denkbaren Formen der flexiblen Arbeitszeit und Teilzeitmodelle. In der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach und in der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey verfügen wir über Kinderbetreuungsangebote auf unserem Klinikgelände. An allen Standorten sind wir darüber hinaus dabei behilflich, solche Betreuungsmöglichkeiten auch bei externen Anbietern zu realisieren.

Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Führungsqualitäten der Vorgesetzten und das Arbeitsklima insgesamt sind ebenfalls wichtige Kriterien. Welchen Stellenwert haben diese Aspekte im Landeskrankenhaus?

Gaß: Wir sind an den Standorten Andernach und Alzey akademische Lehrkrankenhäuser und bieten Assistenten die volle Weiterbildung bei uns an. Unsere eigene Fortbildungsstätte, die Rhein-Mosel Akademie, bietet neben einer Vielzahl fachlicher Qualifizierungsangebote auch zum Thema Führung ein sehr umfassendes Programm. Dies wird gerade von Ärztinnen und Ärzten sehr gerne angenommen, die während ihres Medizinstudiums praktisch keine Führungsqualifikationen vermittelt bekommen. Ganz generell werden Fort- und Weiterbildungen über die tariflichen Ansprüche hinaus finanziell und durch Freizeit gefördert.

Zusammenfassend: Warum sollten Ärztinnen und Ärzte ihre berufliche Zukunft im Landeskrankenhaus und seinen Einrichtungen planen?

Gaß: Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber, der jungen Ärztinnen und Ärzten hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten in einem wertschätzenden und vertrauensvollen Umfeld bietet.